Studienreise deutscher Bischöfe zu KCG nach Süd-Korea 2009

Im April 2009 besuchte eine Delegation der deutschen Bischofskonferenz auf Einladung der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen (FABC) Süd-Korea.
Die sechs Bischöfe und Weihbischöfe wollten das in Asien sehr erfolgreiche pastorale Modell der Kleinen Christlichen Gemeinschaften kennen lernen.

„Ich bin beeindruckt von der tiefen Frömmigkeit und der Konzentration, mit der die Gruppenmitglieder beten und in der Bibel lesen und dann das Wort der Schrift in ihr Leben praktisch übersetzen,“ sagt Weihbischof Schepers, nachdem er in der südkoreanischen Millionenstadt Suwon erstmals an dem Treffen einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft als Gaste teilgenommen hat.

Weihbischof Ludger Schepers aus dem Bistum Essen ist einer von sechs deutschen Bischöfen und Weihbischöfen, die gemeinsam mit dem missio-Präsidenten Prälat Dr. Klaus Krämer und drei Begleitern von missio und aus dem Sekretariat der Bischofskonferenz auf Einladung der FABC (Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen) nach Korea gekommen sind. missio hatte seit über dreißig Jahren die Entwicklung eines neuartigen pastoralen Ansatzes in Afrika unterstützt, dessen Mitte die Kleinen Christlichen Gemeinschaften sind, die sich regelmäßig in ihrem Nahbereich (Nachbarschaft, Stadtteil) treffen und in Gebet und das Bibel-Teilen Christus in ihrer Mitte zu sich sprechen lassen und dann gemeinsam danach fragen, was konkret ihre Sendung für die Kirchengemeinde und ihr soziales Umfeld ist.

Tausende solcher Kleinen Christlichen Gemeinschaften waren zunächst im südlichen und östlichen Afrika entstanden, bevor auch die asiatischen Bischöfe darauf aufmerksam wurden und auf ihrer Vollversammlung 1990 in Bandung, Indonesien, diesen Pastoralen Ansatz zum Grundprinzip der Seelsorge in Asien machten. Auf der Basis der afrikanischen Erfahrungen wurde der Asiatische integrale pastorale Ansatz (AsIPA) entwickelt. Heute gibt es allein in der Erzdiözese Seoul, Korea, 20.000 Kleine Christliche Gemeinschaften mit ca. 250.000 Mitgliedern. Damit ist dort jeder vierte Katholik in einer solchen Gemeinschaft und damit aktiv in der Kirche und als Christ im eigenen sozialen Umfeld.

„Unsere Sendung sehen wir darin, die erkalteten Glaubenden wieder zu erwärmen (to heat up the cold believers)“, sagen die Mitglieder einer anderen Kleinen Christlichen Gemeinschaft den deutschen Bischöfen, die zu Besuch in ihr Treffen im Wohnzimmer eines der Mitglieder kommen. „Wir wollen missionarisch sein, auf die Menschen in unserem Wohnumfeld zugehen, Beziehungen knüpfen und helfen, wo wir gebraucht werden. Wenn jemand krank ist in unserem Wohnhochhaus mit seinen 40 Familien, bekommen wir das mit und besuchen ihn. Aus 9 Familien dieses Hochhauses kommen die Mitglieder unserer Kleinen Christlichen Gemeinschaft. Wir sind bei den Treffen 12 bis 15 Leute. Es können jederzeit auch neue hinzukommen. Unsere Leiterin berichtet in den Leitertreffen mit dem Pfarrer von unseren Treffen und bringt Vorschläge und Bitten der Pfarrei für Aktionen der Gruppe mit. So sind wir regelmäßig an der Reihe, die Kirche zu reinigen oder den Sonntagsgottesdienst vorzubereiten.“

Die Ergebnisse der nur 15-jährigen Entwicklung des AsIPA-Ansatzes in Südkorea beeindrucken die deutsche Delegation. Sie besteht aus Erzbischof Schick aus Bamberg, den Weihbischöfen Bündgens aus Aachen, Jaschke aus Hamburg, Pieschl aus Limburg, Renz aus Rottenburg-Stuttgart und Schepers aus Essen sowie dem missio-Präsidenten Prälat Dr. Krämer.

Inzwischen treffen sich in allen koreanischen Diözesen Männer, Frauen und Kinder z.T. wöchentlich in der Wohnung eines der Mitglieder. Aus der Erfahrung der Gegenwart Jesu im Wort der Schrift und in der Gemeinschaft heraus fragen sie nach ihrer Sendung für ihr konkretes Lebensumfeld und für die Kirchengemeinde, in der sie leben. Da jeder dieser KCGs aus Menschen einer Nachbarschaft, eines Straßenzuges oder auch eines koreanischen Wohnhochhauses besteht, nimmt diese Sendung ganz konkrete Formen an: Krankenbesuche, Kontakte zu „erkalteten Glaubenden“, nachbarschaftliche Hilfe, das Putzen der Kirche, die Begleitung eines erwachsenen Taufbewerbers, die Vorbereitung einer sonntäglichen Eucharistiefeier in der Pfarrkirche. Die Gruppen verstehen sich als „Kirche vor Ort“, die ansprechbar sind für die Menschen ihres Wohnumfeldes, die aber auch selbst auf Menschen zu gehen – als Nachbar kann man das.

„Wenn einzelne Pfarreien bis zu 250 erwachsene Taufbewerber pro Jahr haben, so ist das ein Ergebnis der missionarischen Aktivität dieser Gemeinschaften. Und nur wenn sie in diesen Gruppen eine Heimat finden, bleiben sie auch bei der Kirche“, sagt Bischof Peter Kan von der Diözese Jeju, der Vorsitzende der Koreanischen Bischofskonferenz.

Ziel der Reise der deutschen Bischöfe war es, eigene Erfahrungen mit dem Ansatz in einem ökonomisch mit Deutschland vergleichbaren Umfeld zu sammeln, um seine Relevanz und Praktikabilität auch für hier besser beurteilen zu können, In den Diözesen Jeju und Suwon konnten die deutschen Bischöfe KCGs besuchen. Die FABC hatte weitere Bischöfen aus Indien, Sri Lanka, Indonesien, den Philippinen und Südafrika zu diesem „Exposure“ hinzugeladen, die ich ihren Diözesen langjährige Erfahrungen mit Kleinen Christlichen Gemeinschaften gemacht haben. Mit ihnen konnten sie über die Theologie und die Praxis des Ansatzes diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.

„Wir müssen in Deutschland weiter in der Praxis prüfen mit welchen für unseren Kontext notwendigen Veränderungen die Kleinen Christlichen Gemeinschaften auch für uns eine zukunftsfähige Weise des Kircheseins sein können. Erste von missio angeregte und unterstützte Versuche gibt es bereits in mehreren deutschen Diözesen. Und das Interesse wächst,“ so missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer.
Die Pressemeldung des Sekretariates der Deutschen Bischofskonferenz zu dieser Reise finden Sie hier.

Einen wichtigen asiatischen Vortrag von Bischof Peter Kang, Jeju, Korea, dem Vorsitzenden der Katholischen Koreanischen Bischofskonferenz zu “Kleinen Christlichen Gemeinschaften, dem fundamentalen Paradigma der Kirche”, gehalten am 14.April 2009 während dieser Reise finden Sie hier.

Die Teilnehmenden des KCG-Exposure in Süd-Korea

Deutsche, Asiatische und afrikanische Bischöfe, sowie AsIPA-Resource-Personen  haben an der Bischofsreise nach Korea und dem Programm in den Diözesen Seoul, Suwon und Jeju teilgenommen.

Teilnehmer aus Deutschland:

Bischöfe
1. Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Bamberg
2. Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, Aachen
3. Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, Hamburg
4. Weihbischof Gerhard Pieschl, Limburg
5. Weihbischof Thomas Maria Renz, Rottenburg-Stuttgart
6. Weihbischof Ludger Schepers, Essen

Sekretariat der DBK
7. Ralph Poirel, Deutsche Bischofskonferenz
8. Ulrich Pöner, Deutsche Bischofskonferenz

missio
9. Prälat Dr. Klaus Kraemer, missio-Präsident
10. Dieter Tewes, Osnabrück, missio-Projektleiter

Asiatische und afrikanischen Bischöfe mit KCG-Erfahrungen in ihren Diözesen

  1. Bischof Peter Kang, Bischof von Jeju, Korea, und Präsident der CBCK (koreanische Bischofskonferenz)
  2. Bischof Paul Choi, Bischof von Suwon, Präsident von SCC-Kommission (SCC = Small Christian Comunities) der CBCK
  3. Erzbischof Orlando Quevedo, Erzbischof von Cotabato und Generalsekretär FABC
  4. Bischof Kingsley Swampillai, Bischof von Trincomalee-Batticolao, Sri Lanka
  5. Bischof Jose Mukala, Bischof von Kohima, Indien
  6. Bischof Hilarius Moa Norak, SVD, Bischof von Pangkal Pinang, Indonesien
  7. Bischof Juan de Dios Pueblos, Bischof von Butuan, Philippinen
  8. Bischof Oswald Hirmer, Bischof em. von Umtata, Südafrika, Gründungsmitglied des Lumko-Institutes, Südafrika, und des AsIPA Prozesses in Asien (fünf Jahre Arbeit am Pastoralinstitut in Singapur)

WeitereTeilnehmer (AsIPA und koreanische KCG-Beauftragte)

  1. Fr. Joseph Lee, Seoul, Direktor der Nationalen SCC-Kommission Korea mit Team (3 Mitglieder)
  2. Fr. John Koh, Leiter der SCC-Kommission der Diözese Jeju, Korea, mit Team
  3. Fr. Francis Chung Woll Kee, früherer Leiter der Abteilung für Evangelisation in der Diözese Seoul, Korea, ART Mitglied (ART = AsIPA Resource Team)
  4. Fr. Arthur Pereira, Gemeindepfarrer in der Diözese Mangalore, Indien, ART Mitglied
  5. Frau Wendy Louis, Singapur, Generalsekretärin des AsIPA-Büros des FABC-Amtes für Laien und Familie
  6. Frau Cora Mateo, Taipeh, Taiwan, ART Mitglied

Fotos von der KCG-Studienreise deutscher Bischöfe in Süd-Korea von Dieter Tewes