„Werkstatt KCG“ mit Bischof Oswald Hirmer und erstmals Besuch von KCGs in Deutschland (Juni 2007)

Vom 25.-28.06.2007 fand im “Tagungshaus Priesterseminar” in Hildesheim ein Seminar mit Bischof Oswald Hirmer statt unter dem Titel „Werkstatt KCG“. Ziel der Werkstatt war es, den pastoralen Ansatz der Kleinen Christlichen Gemeinschaften sowohl in der Praxis zu erleben als auch theoretisch zu durchleuchten. Die fast 30 Teilnehmenden haben dazu erstmals in Deutschland in 2er und 3er Kleine Christliche Gemeinschaften vor Ort besuchen (in Hildesheim, Braunschweig, Hannover und Celle), an deren Treffen teilgenommen und diese Erfahrungen gemeinsam mit Bischof Hirmer reflektiert.

Bischof Oswald Hirmer gilt zusammen mit Bischof Lobinger als der ‚Erfinder’ des BibelTeilens und ist einer der wichtigsten Förderer Kleiner Christlicher Gemeinschaften weltweit. Er ist Mitbegründer des LUMKOInstituts in Südafrika und war unter anderem maßgeblich an der Übertragung des Ansatzes der KCG in den asiatischen Raum beteiligt.

Regens Dr. Christian Hennecke, Hildesheim, der gemeinsam mit Matthias Kaune, Hildesheim, die Tagung leitete, hat einen Kurzbericht aus Hildesheimer Sicht verfasst, den Sie im Folgenden lesen können:

Im Frühjahr dieses Jahres haben wir im Blick auf die Diskussion um Kleine Christliche Sem_mit_Hirmer_HI_6.07-11(1)Gemeinschaften im Team der Metropolie überlegt, welchen Beitrag wir zur Klärung leisten können. Dabei war klar, dass dies nicht nur über eine theoretische Auseinandersetzung funktionieren kann, es müsste „ansichtig“ werden, was Kleine Christliche Gemeinschaften sind. Dazu sind in den vergangenen Jahren häufig Exposurereisen nach Südafrika oder Indien angeboten worden, die in der Tat sehr viele Einblick ermöglichten. Was diese Fahrten aber nicht beantworten konnten, war die Frage, ob das Ganze auch in Deutschland funktionieren kann.

Im gesamten deutschen Sprachgebiet ist wohl in Hildesheim die größte Zahl von Versuchen, Kleine Christliche Gemeinschaften zu bilden (Hannover-Ost, Celle, Braunschweig, Hildesheim). Und so haben wir es gewagt, auf gesamtdeutscher Ebene Interessierte einzuladen, damit sie zu einem Workshop mit Exposure-Elementen nach Hildesheim kommen könnten.

Mit großer Freude ist es uns gelungen, mit Bischof Oswald Hirmer einen der Väter des Projektes als Hauptreferenten zu gewinnen, der zur Zeit gerade Heimaturlaub in Deutschland macht.

Wir haben auch Bischöfe und Professoren der Pastoral eingeladen, die aber alle freundlich abgesagt haben. Dennoch sind Vertreter mehrerer deutscher Diözesen (Eichstätt, Erfurt, Berlin, Vechta, Osnabrück, Hamburg, Essen) gekommen, zudem Gäste aus Zürich und viele Ehrenamtliche und einige Priester aus unserem Bistum. Insgesamt nahmen über dreißig Personen an dieser Fortbildung teil (wir hatten 20 Plätze vorgebucht).

Die Tagung sollte grundlegend in die Theologie und Ekklesiologie der Kleinen Christlichen Sem_mit_Hirmer_HI_6.07-05(1)Gemeinschaften einführen. Wir haben die Tagung zusammen mit Bischof Hirmer in Amberg/Oberpfalz vorbereitet. Gleichzeitig haben wir geplant, auch jenen Interessierten (Priestern und Laien) einen Zugang zu Oswald Hirmer zu ermöglichen. Und deswegen haben wir am Montagabend einen offenen Abend angeboten, an dem Oswald Hirmer die Geschichte des Themas entwickeln sollte und die Kompatibilität mit den Entwicklungen der Pastoral in Deutschland überprüft werden sollte.

Die Tagung begann am Montagnachmittag. Thema der ersten Einheit war das Bibelteilen als Schule des Gebets. Oswald Hirmer hat nachdrücklich die mystisch-kontemplative Dimension des Bibelteilens ins Licht gerückt. Für die meisten Teilnehmer kam es zu einem Neuheitserlebnis und einer tieferen Erkenntnis dieses Weges, der weit mehr ist als eine Methode, und schon gar keine Methode der Bibelarbeit.

Am Montagabend kamen etwa 50 Teilnehmer zum offenen Abend, darunter 10 Priester. Oswald Hirmer berichtete von Geschichte und Entwicklung des Bibelteilens und der kleinen christlichen Gemeinschaften. Ein intensives Gespräch entwickelte sich über die Veränderung der Rolle von Laien und Priestern. Es wurde deutlich, dass auch für die deutsche Situation die kleinen christlichen Gemeinschaften ein hochinteressanter Weg für die Erneuerung der Kirche von innen sind.

Der Dienstag beschäftigte sich grundlegend mit der Ekklesiologie der Kleinen Christlichen Gemeinschaften. Dabei ging es um Grundlagen der Ekklesiologie des II. Vatikanums (LG und GS), die – wie in der Theologie der Kleinen Christlichen Gemeinschaften immer – sehr ekklesiopraktisch aufbereitet wurden. Vorgängig war ein Blick auf die aktuelle pastorale Situation sowie drei Berichte aus der Praxis. Der Nachmittag war den vier Grundmerkmalen der Kleinen Christlichen Gemeinschaften gewidmet, die den vier Merkmalen der Kirche ekklesiopraktisch entsprechen.

Entsprechend vorbereitet haben wir am Abend in 8 Kleingruppen acht verschiedene Kleine Christliche Gemeinschaften in Celle, Hannover, Braunschweig und Hildesheim besucht. Auch Sem_mit_Hirmer_HI_6.07-19(2)Oswald Hirmer hat an diesem Exposureprojekt teilgenommen. Neben den Begegnungen mit Oswald Hirmer war dieser Abend mit Sicherheit der Höhepunkt der Fortbildung. Die Erfahrungen in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften waren für die Teilnehmer überwältigend und berührend. Die selbstverständliche Aufnahme, das gemeinsame Bibelteilen, die spürbare Kirchwerdung durch das Wort, die überraschenden Aufbrüche in diesen Gruppen waren sehr beeindruckend. In echter österlicher Freude konnten wir am Abend zurückkehren. Am nächsten Morgen haben wir ansatzweise diese Erfahrung reflektiert. Besonders auffällig war die Erfahrung der tiefen Gemeinschaft in Christus, die alle Gruppen machen konnten. Hinzu kam die Kreativität der Begegnungen. Eine tief spirituelle Erfahrung.

Zusammen mit Oswald Hirmer reflektierten wir dann am Mittwochvormittag Zerrbilder der Kirchenerfahrung im Blick auf die Vision einer Kirche des II. Vatikanums. Mit ihm feierten wir dann am Ende des Vormittags gemeinsam Eucharistie. Die Begegnung mit Oswald Hirmer war für Sem_mit_Hirmer_HI_6.07-24(1)viele ein Highlight. In ihm sind wir einer gereiften charismatisch-weisen Persönlichkeit unserer Kirche begegnet, die aus dem Reichtum seines geistlichen Lebens schöpfen konnte. Am Nachmittag haben wir die Besuche in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften intensiv reflektiert. Immer deutlicher ist geworden, dass Kleine Christliche Gemeinschaften in der Tat ein gangbarer Weg für eine geistliche und diakonische Erneuerung der Kirche in Deutschland sein können.

Dabei sind Kleine Christliche Gemeinschaften zugleich ein Weg, wie Menschen innerlich in einer Schule des Wortes und des Gebetes genommen werden, um so ihr Charisma zu entdecken. Klar ist aber auch, dass solche Gemeinschaften im Rahmen eine Gesamtpastoral gut begleitet werden müssen. Sie unterscheiden sich von Gebetsgruppen, von geistlichen Wahlgruppen und geistlichen Gemeinschaften. Sie sind „Kirche im Kleinen“: in der Pfarrei Hannover St. Martin entstand in der von uns besuchten KCG der Wunsch, in Zukunft bei der Taufvorbereitung der Pfarrei Sem_mit_Hirmer_HI_6.07-34(2)mitzuwirken.

Im Bistum Hildesheim ist die Zahl der Interessenten und interessierten Gemeinden deutlich am Wachsen. Es muss in Zukunft unterschieden werden zwischen Einsteigerworkshops und Weiterbildungen. Dabei bildet sich zur Zeit ein diözesanes Team und eine diözesane Fortbildnergruppe aus Ehrenamtlichen.

Christian Hennecke
27.06.07